Die Geschichte der Meteorologie in Teltsch
a) Die Stadt bzw. die Stadtverwaltung Teltsch hat sich in der gesamten Geschichte, also ab der Entstehung der modernen Verwaltung bzw. Selbstverwaltung im Jahre 1850, nie mit der Messung oder Sammlung der Wetterdaten befasst. In der Chronik der Stadt, die 1922 angelegt wurde (mit der Ausnahme des aktuellen Bandes befinden sich alle im Bezirksarchiv der Stadt Iglau), befinden sich nur wenige Erwähnungen besonderer klimatischer Ereignisse.
Seit ca. den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fügen die Chronikschreiber regelmäßig ein Kapitel „Wetterübersicht“ ein. Als Unterlage für die Eintragung dient das nicht offiziell zur Verfügung gestellte Material der Station des Tschechischen hydrometeorologischen Instituts in Kirchmyslau (Kostelní Myslová). Seit der Erscheinung des Monatsblatts „Teltscher Blatt“ (Telčské listy) 1990 (bis 1992 unregelmäßig erschienen) ist in jeder Ausgabe eine Wetterübersicht für das vergangene Monat zu finden. Auch diese Informationen kommen von der Wetterstation in Kirchmyslau.
Mit der eigenen Wettermessung begann die Stadtverwaltung Teltsch erst im Jahr 2008 mit der meteorologischen Station Vantege PRO2 Plus. Die Station Vantege PRO2 Plus misst die Windrichtung und –geschwindigkeit, Niederschläge, Außentemperatur und relative Feuchtigkeit, UV-Strahlung und Sonnenenergie. Die Station ist oberhalb vom Rathausdach am Platz des Zacharias von Hradetz platziert. Uns ist klar, dass diese Platzierung nicht die beste ist. Ideale Bedingungen für die Platzierung wären auf einem Platz mit mehreren Ar freier Fläche rund um die Station, 1,8m über der Erde bzw. in einer normierten Wetterhütte. Allerdings sind für uns diese Bedingungen, vor allem in Hinsicht auf die Sicherheit der Station, nicht realisierbar.
So können Sie das aktuelle Wetter in Teltsch gleich doppelt beobachten: Einerseits über die erwähnte Rathaus-Wetterstation oder über die Informationen von der Station des Tschechischen hydrometeorologischen Instituts am Buzovy-Hügel (kopec Buzový) zwischen Teltsch und Kirchmyslau (Kostelní Myslová) unter iDnes.
b) Die Geschichte der Wettermessung in Teltsch ist trotz der oberen Ausführungen, sehr lang und mit anderen Städten verglichen auch sehr außergewöhnlich. Wir möchten Ihnen die einzelnen Etappen stichwortartig näher bringen:
b1) – allgemein wird für den Gründer der langen Reihe der meteorologischen Beobachtungen in Teltsch der Jesuit Antonín Strnad (1746 – 1799), der seinerzeit im Teltscher Jesuiteninternat lebte, gehalten. Er wird z.B. bei Beringer- Janoušek „Die Stadt und die Herrschaft Teltsch“ (Město a panství Telč) von 1896 erwähnt (irrtümlich wird hier Josef als Strndads Vorname verwendet). A. Strnad ist vor allem als Gründer des Observatoriums und meteorologischer Beobachtung in Prager Klementinum bekannt. Der Beginn der Wetterbeobachtung in anderen Städten, in denen Jesuiten tätig waren, wird ebenfalls Strnad zugeschrieben. Bei der Reparatur der Kirche Name Jesu in Teltsch in der Hälfte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Vermutung ausgesprochen, dass der Verbindungshals zwischen den beiden Türmen als meteorologischer Beobachtungsposten diente. Über erhaltene Daten aus dieser Zeit ist bis Dato nichts bekannt.
b2) – in den Jahren 1771-1775 führe der Arzt Alois Mag von Magg meteorologische Beobachtungen durch. Ein Teil seiner Aufzeichnungen wurde erhalten. Mehr dazu im Artikel R. Brázdil, J. Macková, Z. Sviták, H. Valášek „Älteste mährische meteorologische Messungen in Teltsch von F.A. Mag von Magg aus den Jahren 1771-1775“ (Nejstarší moravská meteorologická měření v Telči od F. A. Maga z Maggu z let 1771 – 1775), veröffentlicht u.a. in „Meteorologische Nachrichten“ 55/2002 (Meteorologické zprávy).
b3) – nach dem Jahr 1852 (genau?) bekam die meteorologische Station der Höheren Realschule Teltsch, die in das Netz der Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus Wien (heute ZAMG) aufgenommen wurde, den offiziellen Status einer Wetterstation. Mehr über diese Station und die Messungen beinhalten diese Artikel, die in den Jahresberichten der Realschule veröffentlicht wurden:
- B. Los – Klimatische Verhältnisse Westmährens I. und II. (Klimatické poměry západní Moravy), Jahresberichte für die Jahre 1906, 1907
- A. Ždímal – Meteorologische Beobachtungen und ihr praktischer Zweck (Meteorologická pozorování a hlavní jejich praktický účel), Jahresbericht für das Jahr 1909
- A. Ždímal – Übersicht der meteorologischen Beobachtungen (Přehled meteorologických pozorování), Jahresbericht für das Jahr 1910
b4) – nach dem Jahr 1918 wurden die Messungen für das damalige Hydrometeorologische Institut von dem Gärtner František Florian unter der Kennung „Telč – Kotnov“ durchgeführt. Die Aufzeichnungen sind im Archiv des Tschechischen Hydrometeorologischen Instituts (Český hydrometeorologický ústav) erhalten.
b5) – während des Zweiten Weltkriegs wurden die Wettermessungen von der Deutschen Luftwaffe in Teltsch – Rovná pole durchgeführt. Ob die Aufzeichnungen dieser Messungen erhalten wurden, ist uns nicht bekannt.
b6) – im Oktober 1946 hat die Tschechoslowakische Armee eine neue Wetterstation in Teltsch errichtet. Der Beobachtungsposten befand sich auf dem Turm der Pfarrkirche St. Jakob. Im Jahr 1950 wurde der Posten auf den Buzovy-Hügel (kopec Buzový) verlegt und ging ca. 1952 in die Verwaltung des Tschechischen Hydrometeorologischen Instituts über. Die Bezeichnung änderte sich im Laufe der Jahre von Teltsch – Flughafen (Telč – letiště) über Teltsch – Buzovy (Telč – Buzový) bis zur heutigen Kirchmyslau (Kostelní Myslová). Das Areal der Station durchquert die Ortsgrenzen Teltsch und Kirchmyslau, die Station selbst steht am Grund von Kirchmyslau. Die Daten aus dieser Zeit besitzt das Tschechische Hydrometeorologische Institut.
c) Als Datenquelle zu klimatischen Phänomenen können auch Zeitungen, die früher in Teltsch erschienen, dienlich sein:
Dyje, 1879, Wochenzeitung (erschien nur ein Jahr)
Orel , 1885 - 1891, erschien vierzehntägig
Orlice, 1886 - 1891, erschien vierzehntägig
Farní věstník, 1919 – 1939, erschien monatlich
Telčské listy, 1990 – bis heute, erscheint monatlich
Oldřich Zadražil, 26.11.2008
Übersetzung Zdenka Weickmann
Seit ca. den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fügen die Chronikschreiber regelmäßig ein Kapitel „Wetterübersicht“ ein. Als Unterlage für die Eintragung dient das nicht offiziell zur Verfügung gestellte Material der Station des Tschechischen hydrometeorologischen Instituts in Kirchmyslau (Kostelní Myslová). Seit der Erscheinung des Monatsblatts „Teltscher Blatt“ (Telčské listy) 1990 (bis 1992 unregelmäßig erschienen) ist in jeder Ausgabe eine Wetterübersicht für das vergangene Monat zu finden. Auch diese Informationen kommen von der Wetterstation in Kirchmyslau.
Mit der eigenen Wettermessung begann die Stadtverwaltung Teltsch erst im Jahr 2008 mit der meteorologischen Station Vantege PRO2 Plus. Die Station Vantege PRO2 Plus misst die Windrichtung und –geschwindigkeit, Niederschläge, Außentemperatur und relative Feuchtigkeit, UV-Strahlung und Sonnenenergie. Die Station ist oberhalb vom Rathausdach am Platz des Zacharias von Hradetz platziert. Uns ist klar, dass diese Platzierung nicht die beste ist. Ideale Bedingungen für die Platzierung wären auf einem Platz mit mehreren Ar freier Fläche rund um die Station, 1,8m über der Erde bzw. in einer normierten Wetterhütte. Allerdings sind für uns diese Bedingungen, vor allem in Hinsicht auf die Sicherheit der Station, nicht realisierbar.
So können Sie das aktuelle Wetter in Teltsch gleich doppelt beobachten: Einerseits über die erwähnte Rathaus-Wetterstation oder über die Informationen von der Station des Tschechischen hydrometeorologischen Instituts am Buzovy-Hügel (kopec Buzový) zwischen Teltsch und Kirchmyslau (Kostelní Myslová) unter iDnes.
b) Die Geschichte der Wettermessung in Teltsch ist trotz der oberen Ausführungen, sehr lang und mit anderen Städten verglichen auch sehr außergewöhnlich. Wir möchten Ihnen die einzelnen Etappen stichwortartig näher bringen:
b1) – allgemein wird für den Gründer der langen Reihe der meteorologischen Beobachtungen in Teltsch der Jesuit Antonín Strnad (1746 – 1799), der seinerzeit im Teltscher Jesuiteninternat lebte, gehalten. Er wird z.B. bei Beringer- Janoušek „Die Stadt und die Herrschaft Teltsch“ (Město a panství Telč) von 1896 erwähnt (irrtümlich wird hier Josef als Strndads Vorname verwendet). A. Strnad ist vor allem als Gründer des Observatoriums und meteorologischer Beobachtung in Prager Klementinum bekannt. Der Beginn der Wetterbeobachtung in anderen Städten, in denen Jesuiten tätig waren, wird ebenfalls Strnad zugeschrieben. Bei der Reparatur der Kirche Name Jesu in Teltsch in der Hälfte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Vermutung ausgesprochen, dass der Verbindungshals zwischen den beiden Türmen als meteorologischer Beobachtungsposten diente. Über erhaltene Daten aus dieser Zeit ist bis Dato nichts bekannt.
b2) – in den Jahren 1771-1775 führe der Arzt Alois Mag von Magg meteorologische Beobachtungen durch. Ein Teil seiner Aufzeichnungen wurde erhalten. Mehr dazu im Artikel R. Brázdil, J. Macková, Z. Sviták, H. Valášek „Älteste mährische meteorologische Messungen in Teltsch von F.A. Mag von Magg aus den Jahren 1771-1775“ (Nejstarší moravská meteorologická měření v Telči od F. A. Maga z Maggu z let 1771 – 1775), veröffentlicht u.a. in „Meteorologische Nachrichten“ 55/2002 (Meteorologické zprávy).
b3) – nach dem Jahr 1852 (genau?) bekam die meteorologische Station der Höheren Realschule Teltsch, die in das Netz der Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus Wien (heute ZAMG) aufgenommen wurde, den offiziellen Status einer Wetterstation. Mehr über diese Station und die Messungen beinhalten diese Artikel, die in den Jahresberichten der Realschule veröffentlicht wurden:
- B. Los – Klimatische Verhältnisse Westmährens I. und II. (Klimatické poměry západní Moravy), Jahresberichte für die Jahre 1906, 1907
- A. Ždímal – Meteorologische Beobachtungen und ihr praktischer Zweck (Meteorologická pozorování a hlavní jejich praktický účel), Jahresbericht für das Jahr 1909
- A. Ždímal – Übersicht der meteorologischen Beobachtungen (Přehled meteorologických pozorování), Jahresbericht für das Jahr 1910
b4) – nach dem Jahr 1918 wurden die Messungen für das damalige Hydrometeorologische Institut von dem Gärtner František Florian unter der Kennung „Telč – Kotnov“ durchgeführt. Die Aufzeichnungen sind im Archiv des Tschechischen Hydrometeorologischen Instituts (Český hydrometeorologický ústav) erhalten.
b5) – während des Zweiten Weltkriegs wurden die Wettermessungen von der Deutschen Luftwaffe in Teltsch – Rovná pole durchgeführt. Ob die Aufzeichnungen dieser Messungen erhalten wurden, ist uns nicht bekannt.
b6) – im Oktober 1946 hat die Tschechoslowakische Armee eine neue Wetterstation in Teltsch errichtet. Der Beobachtungsposten befand sich auf dem Turm der Pfarrkirche St. Jakob. Im Jahr 1950 wurde der Posten auf den Buzovy-Hügel (kopec Buzový) verlegt und ging ca. 1952 in die Verwaltung des Tschechischen Hydrometeorologischen Instituts über. Die Bezeichnung änderte sich im Laufe der Jahre von Teltsch – Flughafen (Telč – letiště) über Teltsch – Buzovy (Telč – Buzový) bis zur heutigen Kirchmyslau (Kostelní Myslová). Das Areal der Station durchquert die Ortsgrenzen Teltsch und Kirchmyslau, die Station selbst steht am Grund von Kirchmyslau. Die Daten aus dieser Zeit besitzt das Tschechische Hydrometeorologische Institut.
c) Als Datenquelle zu klimatischen Phänomenen können auch Zeitungen, die früher in Teltsch erschienen, dienlich sein:
Dyje, 1879, Wochenzeitung (erschien nur ein Jahr)
Orel , 1885 - 1891, erschien vierzehntägig
Orlice, 1886 - 1891, erschien vierzehntägig
Farní věstník, 1919 – 1939, erschien monatlich
Telčské listy, 1990 – bis heute, erscheint monatlich
Oldřich Zadražil, 26.11.2008
Übersetzung Zdenka Weickmann
VLOŽIL: Terezie Veselá (31.05.2012)
, UPRAVIL:
Jana Nováková (07.01.2021)










