Kurzer geschichtlicher Überblick
Nach einer örtlichen Sage ging die Gründung der Stadt Teltsch mit dem Sieg des Mährischen Fürsten Otto II. über den böhmischen Břetislav im Jahr 1099 einher. Zur Erinnerung an diese Schlacht errichtete der Sieger angeblich eine Kapelle, später eine Kirche und eine Siedlung, die heutige Altstadt. Historisch belegt ist allerdings erst die Nachricht über das herrschaftliche Gehöft und dem Wachturm mit der kleinen Kirche – als Residenz des Königlichen Verwalters. Diese königliche „Ware“ Teltsch zahlte Karl IV. aus der Pfändung aus (1335) und tauschte sie später mit Heinrich von Neuhaus für die Grenzburg Bánov ein. Dieses Adelsgeschlecht begründete die neue Stadt Teltsch. Es besteht die Annahme, dass es Menhart von Neuhaus war, der nach dem Jahr 1354 die Burg, die Kirche, den Wassergraben und die gotischen Häuser im Bereich des großen Marktplatzes erbauen ließ. Die wachsende Stadt, die schon von Karl IV. die Befugnis zu eigener Gerichtsbarkeit und zur Verhängung der Todesstrafe sowie zur Durchführung von Jahrmärkten bekam, litt in der folgenden Zeit unter mehreren Bränden (1386 brannte die gesamte westliche Hälfte des Stadtplatzes inkl. Kirche und Rathaus aus) und später unter den Hussiten-Angriffen. Nach der Stadtchronik, die 1359 angelegt und später verloren ging, wurde die Stadt, allerdings nicht die Burg, durch die Taboriten unter der Führung von Jan Hvězda z Vícemilic - auch Bzdinka genannt – 1423 erobert. Die Stadt hat trotz weiterer Privilegien aus dem 15. Jahrhundert (Jahrmarkt, Bierbrauen, Salzhandel) lange gebraucht um sich zu erholen.
In der Mitte des 16. Jahrhunderts begann mit der Herrschaft von Zacharias von Neuhaus eine Zeit des Aufschwungs für Burg und Stadt. Der gebildete und reiche Herrscher (auch dank der Eheschließung mit Kateřina von Waldstein) baute die Burg großzügig um und ein neues Renaisance-Schloss zu. Italienische Handwerker halfen den heimischen Bürgern ihre gotischen Behausungen in ansehnliche Häuser mit Giebeln und Arkadengängen zu verwandeln. In dieser Zeit wurden auch die Wasserleitung und ein neues Krankenhaus erbaut, Zünfte gegründet, neue Teiche angelegt, neue Art des Wirtschaftens begonnen. Zacharias und alle anderen aus dem neuhauser Geschlecht starben ohne männliche Nachkommen und so brachte die Schwester des letzten, Lucie Otilie, im Jahr 1604 ihren Ehemann Wilhelm Slavata (einer der Geschädigten beim 2. Prager Fenstersturz 1618) und mit ihm ein neues Adelsgeschlecht nach Teltsch sowie Neuhaus.
Die Herrschaft des Slavata-Geschlechts wurde durch den Dreißigjährigen Krieg gezeichnet. Teltsch und die gesamte Region litten unter der schwedischen aber auch der kaiserlichen Armee. Die Stadt wurde 1645 auch kurzzeitig durch die Schweden besetzt und geplündert. Die Herrschaft verwalteten die männlichen Mitglieder der Adelsfamilie (Wilhelm, Joachim Ulrich, Ferdinand Wilhelm), in die Geschichte ist allerdings am markantesten die Witwe von Joachim Ulrich geb. Gräfin Maria Franziska Theresia von Meggau eingegangen. Sie bestellte die Jesuiten nach Teltsch und ließ für sie 1655 ein Internat direkt gegenüber des Schlosses und 1667 die Jesuitenkirche bauen. Sie ließ auch die ehemalige Mälzerei unter der Pfarrkirche zum Konvikt der Heiligen Engel (Kirchenmusikschule) umbauen und legte 1676 den neuen Friedhof „na Podolí“ an. In dieser Zeit wurden auch das lateinische Jesuitengymnasium, eine Apotheke und eine meteorologische Station errichtet. Auch das Geschlecht der Slavata starb ohne männliche Nachkommen aus und ihr letzter Sohn, Johann Karl Joachim, General des Karmeliterordens, lehnte trotz päpstlichen Dispens die Rückkehr auf die Familienanwesen ab.
Teltsch ging in den Besitz der Familie von Liechtenstein-Kastelkorn über, aber schon der erste von ihnen, Franz Anton Graf von Liechtenstein-Kastelkorn (er erbaute die Kirche des heiligen Johannes Nepomuk und erweiterte die Kapelle des hl. Adalbert von Prag), starb 1761 ohne männliche Nachkommen. Der Vetter nach der weiblichen Linie, Alois Graf Podstatský von Prusinowitz, verband die Wappen beider Familien. Podstatzky-Liechtenstein behielten die Herrschaft in Teltsch bis 1945, wo sie die letzten Familienmitglieder waren, die nach Österreich ausgesiedelt wurden.
Das 18. Jahrhundert wurde zuerst durch die herrschaftliche Unterdrückung gezeichnet, danach begann allerdings der Aufschwung des Bürgertums und die begüterten Bürger verschönerten die Stadt durch Stadtbrunnen, Mariensäule, Statuen und Kapellen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begannen die Josephs Reformen: 1773 wurde der Jesuitenorden (aus dem Internat wurde eine Kaserne), ein Jahr später das Gymnasium, 1785 die Heilig-Geist-Kirche und weitere Kapellen abgeschafft. Die Zeit der Germanisierung in den Schulen, im öffentlichen Leben und auch in den Familien begann.
Der Beginn des 19. Jahrhunderts stand unter dem Zeichen der Industrialisierung. Im ehemaligen Slavata-Hof entstand die Josef Lang-Stofffabrik, die bis zu 600 Mitarbeiter hatte. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte ein Umdenken im nationalen Bewusstsein. Eine wichtige Rolle spielten die Schulen, seit den sechziger Jahren mit tschechischer Unterrichtssprache, inkl. Realschule, die 1852 gegründet wurde. Dank den Lehrern und Professoren und weiteren Beteiligten (z.B. Verleger Šolc) entstanden Vereine (Občanská beseda, Omladina, Sokol, Národní jednota) und Teltsch spielte eine bedeutende Rolle für die gesamte südwestlich-mährische Region.
Durch den Bau der Eisenbahntrasse von Wolframs (Kostelec) nach Teltsch (1898) und ihre Verbindung über Zlabings (Slavonice) nach Schwarzenau (Österreich) endete auch die kommunikative Isolation der Stadt. Ein neues kulturelles und wirtschaftliches Leben begann. Teltsch lebte auf und wuchs. Innen, zwischen den Teichen und Toren, behielt sie allerdings ihr anmutiges Gesicht aus der Zeit des Zacharias. Das ist der Grund dafür, warum der historische Kern der Stadt 1992 in die Liste des Weltkultur- und -naturerbes UNESCO eingetragen wurde.
Übersetzung: Zdenka Weickmann










